Muslimisch, weiblich und deutsch – 2017 noch außergewöhnlich?

01.12.2017

Lamya Kaddor im Gespräch mit ihrem Publikum.

Aufmerksame Zuhörer während der Lesung mit Lamya Kaddor

Ein abwechslungsreicher Abend mit Lamya Kaddor, die Passagen vorlas und immer wieder aus ihrem Leben und von ihrer Arbeit als Pädagogin und Wissenschaftlerin erzählte.

Die bekannte Islamwissenschaftlerin und Publizistin Lamya Kaddor folgte der Einladung der Stadtbücherei Wittlich zu einer Lesung aus ihrem Buch „Muslimisch, weiblich, deutsch“ in Wittlich und trat in einen lebhaften Dialog mit ihrem Publikum.

 

Lamya Kaddor wurde 1978 im westfälischen Ahlen als Tochter syrischer Migranten geboren. Bereits als Kind, so die sympathische Frau, habe sie auch ihren Glauben, den Islam hinterfragt und ihre Mutter z.B. um Auskunft gebeten, warum diese fünfmal täglich bete. Und häufig habe die Mutter keine Antworten gehabt und mit dem Hinweis auf den Glauben, den man nicht anzweifele, geantwortet. Damit gab sich das neugierige Mädchen allerdings nicht zufrieden und studierte nach dem Abitur u.a. Islamwissenschaften.

 

Die Autorin sprach über das wachsende Interesse an diesem Studium und die vielfältigen Aufgaben für Islamwissenschaftler in Deutschland. Sie berichtete über den ersten Islamunterricht auf Deutsch, den sie in Dinslaken erteilte und über die Ablehnung von Eltern und Schülern, diesen auf Deutsch zu erteilen. Über ihren Kampf, zeitgemäße Auslegungen des Korans zu vermitteln, da viele in Deutschland lebende Moslems die Aussagen der Geistlichen wörtlich akzeptieren und den uneingeschränkten Glauben für nicht diskutabel halten.

 

Aber nicht nur Religion war Frau Kaddors Thema, sie referierte auch über den immer noch schwierigen Umgang der Ursprungsdeutschen mit Deutschen, die nicht blond und blauäugig seien und keine deutschen Namen trügen. Häufig mache man der deutschen Wissenschaftlerin Kaddor z.B. Komplimente für ihre guten Kenntnisse der deutschen Sprache.

 

Die sich an die Lesung anschließende lebhafte Diskussion musste ob der bevorstehenden weiten Heimfahrt Lamya Kaddors leider nach 45 Minuten abgebrochen werden. Die interessierten Besucherinnen und Besucher ließen sich ein wenig damit trösten, dass die Bücher der Autorin, sowohl die gesellschafts- und religionskritischen, als auch die vielen Schulbücher und Islamkunden sich im Bestand der Stadtbücherei Wittlich befinden und ausgeliehen werden können.


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